Per Anhalter durch die Digitalisierung oder auch Digitale Transformation – eine Deutung des Begriffs

Digitalisierung oder auch Digitale Transformation ist für viele Menschen mittlerweile zum Unwort des Jahres geworden. Es erzeugt nicht selten ein Gefühl des Unwohlseins oder auch der Angst. Dabei muss das nicht sein, da es keinen wirklichen Grund dafür gibt. Die Tatsache, dass es sehr oft nicht richtig definiert ist, führt in Projekten zu diesem Umstand. Wir gehen dem Thema auf den Grund und werden die Digitalisierung dem Grundsatz nach auf die Spur kommen und deren Möglichkeiten und Chancen im Arbeitsalltag in einer Blog-Serie aufzeigen.

Deutung des Begriffs Digitalisierung

Das Missverständliche an dem Begriff Digitalisierung bzw. Digitale Transformation ist, dass er mehrschichtige Bedeutungen hat und sich unterschiedlich auf Unternehmen auswirkt. Man versteht 5 verschiedene Aspekte unter dem Begriff Digitale Transformation, die wir im Folgenden erläutern.

Digitalisierte Prozesse

In der Geschäftswelt spielen Prozesse eine große Bedeutung und bestimmen nicht selten über den Erfolg eines Unternehmens. Insofern spricht die Digitalisierung besonders Prozesse an. Prozesse sind in Unternehmen sehr oft nicht gänzlich automatisiert oder im Zuge des Wandels zu einem Online Business durch das Internet und ein sich veränderndes Kommunikations- und Kaufverhalten komplett auf den Kopf gestellt. Durch Online Werbung, Content Marketing wie Blogging, Social Media Aktivitäten und viele andere Mechanismen erfolgt der Erstkontakt und die Kundenkommunikation nach ganz anderen Gesetzen als noch vor 5 Jahren.

Kunden erwarten ein 24 Stunden, 7 Tage die Woche verfügbares Unternehmen und haben einen schnellen Zugriff auf tausende Informationsquellen. Produkte und Unternehmen lassen sich schnell vergleichen und eine Vorauswahl treffen, bevor der Vertrieb überhaupt einen ersten Kundenkontakt hatte. Unternehmen sind hier häufig nicht drauf eingestellt und verschlafen viel Potential. Man sieht dies häufig an vor 2 Jahren noch unbekannten Unternehmen, die plötzlich eine ganze Branche aufrollen.

Ausgehend von diesem Effekt lassen sich bereits durch Automatisierung im Marketing und Vertrieb schnell Erfolge erzielen, sofern man bei der Generierung neuer Kundenkontakte als auch der Pflege bestehender Kundenkontakte beginnend mit der Webseite, der Social Media Aktivitäten und vielen weiteren Maßnahmen mittels entsprechender, automatisierter Prozesse die Interessenten einfängt und entsprechend Ihren Erwartungen bedient. Die Digitalisierung spielt sich aus Sicht von Prozessen ausgehend vom Vertrieb und Marketing als Startpunkt ab und setzt sich in der kontinuierlichen Pflege und Betreuung der Kunden fort.

Digitalisierte Produkte

Unter digitalisierten Produkten versteht man die Nutzung digitaler Mechanismen zur Verbesserung der Produkteigenschaften und deren Benutzung. z.B. werden Produkte mit vielen analogen Knöpfen zur Bedienung durch digitale Mechanismen wie Touchscreens, sensitiven Knöpfen und vielen anderen Möglichkeiten in Ihrer Nutzung und Bedienung aus Sicht des Anwenders einfacher und besser gestaltet.

Beispiele finden sich hierbei sowohl bei Haushaltsgeräten, als auch Hifi-Systemen, Autos und vielem mehr. Setzt man die Brille des Anwenders auf, wird oft sehr schnell erkennbar, wie und wo man hier ansetzen sollte. Eine Abkehr von bewährten Mechanismen zu neuen Möglichkeiten öffnet hier sehr schnell ein hohes Potential an Verbesserungsmöglichkeiten.

Bei der Produktgestaltung können Unternehmen auf eine ganze Reihe von spezialisierten Unternehmen zugreifen, die das Benutzererlebnis mit Produkten und dessen Bedienung in ganz neue Sphären heben und damit bedeutende Wettbewerbsvorteile herausarbeiten

Digitale Vernetzung der Produkte

Reichte es bisher aus, ein Produkt für sich alleine zu betrachten, erwarten Anwender heute eine übergreifende Nutzung von Produkten. Gestern wurde eine Hifi Anlage mit CD‘s und MP3 genutzt; heute sind Lautsprecher mit SetTop Boxen, Fernseher mit dem Internet und Streaming Diensten verbunden und durchgehend integriert.

Anwender erwarten, dass die Heizung mit den Thermostaten kommuniziert und das Heim immer optimal temperiert ist und er sich keine Gedanken machen muss, wie und wo er die Raumtemperatur einstellt. Anwender wünschen sich eine durchgängige Vernetzung von Systemen, die miteinander eine Gesamtaufgabe erfüllen. Sollte etwas nicht funktionieren, möchte der Anwender schnell und unkompliziert eine Unterstützung erhalten und vom Hersteller oder entsprechenden Dienstleistern unterstützt werden.

Gestern reichte es noch aus, ein perfektes Produkt aus zu liefern, heute muss das Produkt sich ständig selbst aktualisieren und neue Funktionen anbieten, die der Stand der Technik bietet.

Digitale Interaktion mit dem Benutzer

Mit der Vernetzung von Produkten und Systemen und dank dem Smartphone Erfolg seit mittlerweile 2007 wird die einfache Interaktion mit dem Anwender immer wichtiger. Hat man gestern noch einen Herd oder eine Heizung mit ein paar Drehreglern eingestellt, bedient der Anwender heute die Produkte nach Möglichkeit mit Smartphone Apps oder über komfortable Touchscreens mit bekannten Bedienphilosophien. Durch die grundlegende Verbesserung der Mensch-Maschine Kommunikation wird eine komplett neue Wahrnehmung der Bedienung und Interaktion mit Produkten möglich und oft ein wesentlicher USP durch die komfortable Bedienung möglich.

Digitalisierte Geschäftsmodelle

Digitalisierte Geschäftsmodelle bedeuten riesige Hebel in der Erweiterung der Wertschöpfungskette. Bisher reichte es noch aus, ein technisch perfektes und optisch ansprechendes Auto in den Markt zu bringen. Heute erwarten die Kunden, dass das Automobil einen möglichst staufrei zum Ziel bringt und auf dem Weg dorthin mit allerlei nützlichen Empfehlungen unterstützt. Wurde gestern noch eine Heizung installiert, eingestellt und dann über Jahrzehnte ohne Anwendereingriff benutzt, erwartet man heute eine Heizung, die sich optimal an meine Nutzerwünsche anpasst, regelmäßig aktualisiert wird und sich automatisch am Stand der Technik orientiert. Ergänzt wird dies durch entsprechend abgestimmte Serviceangebote, die sich nahtlos in die Produkte integrieren.

Fazit

Nur wer den Begriff Digitalisierung oder Digitale Transformation komplett verstanden hat, wird seinen persönlichen Weg der Digitalen Transformation optimal gestalten können. Wie und mit welchen Chancen dies möglich ist werden weitere Blogbeiträge aufzeigen.

Woher kommt der Digitalisierungseffekt?

Viele fragen sich aktuell, woher der Digitalisierungseffekt kommt und deuten es als Modeerscheinung; leider ist dies eine fatale Fehlannahme. Es gibt mehrere Gründe für die aktuelle Entwicklung:

  1. Der Siegeszug des Internets als Vernetzungsbasis vieler Menschen sorgt für einen deutlich schnelleren Informationsfluss zwischen Menschen.
  2. Die weite Verbreitung von Smartphones sorgt als erste „einheitliche“ Plattform für den ständig verfügbaren Kontakt mit Kunden.
  3. Die durchgängige Verfügbarkeit des Internets gerade auch in mobiler Nutzung.
  4. Die sich rasant entwickelnden Möglichkeiten in der Informationstechnologie.
  5. Die Boom Ära der Software aus der Steckdose auch Cloud Computing genannt.
  6. Der Fortschritt in der Analyse und Auswertung großer Datenmengen (Big Data).
  7. Der Durchbruch in der Nutzung Künstlicher Intelligenz für Deep Learning Mechanismen.
  8. Die Summe dieser Punkte und vieler weiterer sorgen in den nächsten Jahren für einen Quantensprung.
Man bezeichnet die aktuellen Effekte zusammengefasst auch als vierte industrielle Revolution oder Industrie 4.0

 

Die vier industriellen Revolutionen im Überblick

Nachdem die dritte industrielle Revolution durch Einsatz von Elektronik und Informationstechnologie flächendeckend erfolgt ist, werden jetzt Systeme, Menschen und Prozesse umfangreich vernetzt. Die intelligente Kommunikation zwischen Mensch und Maschine nimmt immer mehr Formen an und hat sich mit Smartphones, Amazon Alexa und Apple Siri sprichwörtlich in unsere Gesellschaft geschlichen.

Wir fangen an mit Maschinen zu reden und zu interagieren. Im Bereich der geschriebenen Kommunikation in sozialen Netzen und Systemen beginnen sogenannte Bots an sich mit uns zu unterhalten, als ob am anderen Ende eine Person sitzt.

Wie sehen die Auswirkungen aus?

Die Auswirkungen sind vielfältig und spielen sich zuerst vor allen Dingen in intelligenter Automatisierung, der Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen, der Kommunikation mit potentiellen und bestehenden Kunden und dem Marketing ab. In 2016 war es noch völlig normal Produktkataloge offline und online zu nutzen, Online Shops der Firmen zu besuchen, in Callcenter Schleifen werktags von 8 bis 20 Uhr zu warten.

Stand heute erwarten wir 24 Stunden, sieben Tage die Woche ansprechbare Unternehmen. Wir wollen unsere Probleme und Herausforderungen sofort adressieren und gelöst bekommen. Wir möchten Tips und Tricks jetzt und sofort erhalten und nicht erst ein Geschäft aufsuchen oder einen Dienstleister beauftragen müssen. Die Unternehmen, die dies verstanden haben und Prozesse und Systeme etablieren, wachsen überproportional und oft geografisch unabhängig. Es ist daher essentiell sich mit den Möglichkeiten des Internets, mit der Digitalisierung in ihrer ganzen Bandbreite zu beschäftigen. Gerade weil der Zugang zu Know How, Technologien, Märkten und Kunden so viel einfacher geworden ist, sind auch die Bedrohungen von außen für bestehende Player massiv angestiegen und keiner ist mehr vor einem Angriff von der Seite oder von hinten geschützt.

Wie nutze ich die Digitale Transformation?

Die aktuelle Entwicklung und die Möglichkeiten hinter dem Begriff digitale Transformation sind vielfältig und bahnbrechend zu gleich. Als Unternehmen sollte ich den Möglichkeiten und Herausforderungen offen entgegen treten.

Unternehmenslenkern empfehlen wir daher:

  1. Literatur zu dem Thema zu lesen
  2. Das Silicon Valley zu besuchen / Kontakte zu knüpfen – man muss ein Gefühl für die Denkmuster das Silicon Valley bekommen.
  3. Auf der grünen Wiese über Ihr Geschäftsmodell und den Unternehmenssinn nachdenken – dies geht am einfachsten, wenn alle Barrieren gedanklich aus dem Weg geräumt, alle Wenns und Aber ignoriert und aus Kundensicht sich das Optimum vorgestellt wird.
  4. Nach Bedarf einen Berater und Coach hinzuziehen, der die Zieldefinition und das Teambuilding unterstützt (empfehlen kann ich die Kollegen von visibleRuhr).
  5. Das Unternehmen organisatorisch und IT Technisch auf den neuen Pfad und die geänderte Arbeitsweise aus zu richten. Technologien wie Social Collaboration und Communication sind hier hilfreiche Werkzeuge.
  6. Querdenker Teams aus vielen fachlichen Fraktionen zusammen zu stellen und querdenken zu lassen.
  7. In Etappen die Maßnahmen und das Teambuilding aus zu weiten und die Digitale Transformation für sich zu ergründen.

Das sind nur ein paar wirklich grobe Punkte und die Empfehlungen werden keine ganzheitliche Beratung und Betreuung ersetzen. Sie sind aber ein wesentlicher Anfang, den man bewerkstelligt, wenn man nicht von der Seite oder hinten durch Wettbewerber oder sogar Disruptoren erwischt werden möchte.

Wie bin ich erfolgreich mit der Digitalen Transformation?

Wichtig ist, das Sie anfangen und die zuvor beschriebenen Punkte beherzigen. Es gibt keine Blaupause oder Mustervorgehen, das man umsetzen kann. Jeder der Ihnen dies verkaufen will, beschwindelt Sie.

Die Digitale Transformation in ihren gesamten Ausprägungen (siehe Blog „Deutung des Begriffs Digitalisierung“) ist kein Standardprozess oder systemisches Denken, das man einfach kopiert.

In den Folgenden Blogbeiträgen mit Anwendungsfeldern möchten wir Ihnen aufzeigen, wie man im Zuge der Digitalen Transformation sein interne Arbeitsweise überdenken muss.

Ohne Eingriff in jahrzehntelange Arbeitsmuster und Organisationspraktiken wird es nicht funktionieren und man wird loslaufen ohne die Belegschaft mit zu nehmen.

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