Deutschland und der Einfluss des Silicon Valley

Ende Oktober 2016 konnte ich das Silicon Valley besuchen und innerhalb einer Woche mit einer Reihe von Unternehmern reden, um mir ein Bild zu machen, wo wir heute in Deutschland versus den USA und dem Tal der Täler stehen. Das Land der digitalen Wirtschaft und Software Industrie beeindruckte mich. Beim Besuch des Y-Combinator des Presidenten Sam Altman traf ich ein Unternehmen an, was zweimal im Jahr für 3 Monate im Hardcore Bootcamp Jung-Unternehmer fit für die Selbstständigkeit macht und Ihnen beibringt, wie man professionell sein Unternehmen samt Investorensuche aufbaut. Während in Deutschland die meisten Investoren jenseits der 50 bis 60 sind, trifft man hier auf junge Investoren um die 30 bis 45, die wissen, wovon die Disruption und Digitalisierung handelt und welche Auswirkungen und Chancen sie bietet.

Parallel konnte ich Ende November und Anfang Dezember auf dem European Venture Contest und European Venture Summit pitchen und traf auf Investoren und Family Offices, die weit von der Quote und dem Erfolg der Investoren aus dem Silicon Valley entfernt sind. Doch woher kommt dieser extreme Unterschied?

Das Ganze macht mich sehr nachdenklich. Im Y-Combinator betete mir der Hausmeister mit dem Geschick eines Profi Verkäufers runter, wie bahnbrechend das Unternehmen ist und was es bewegt. Im Gegensatz traf ich in Deutschland auf mittelständische Unternehmen, die mir die Frage stellten, ob eine Online Plattform auch Offline verfügbar ist, da man ja nicht überall ein Netz hat. Auf meine Frage, welche Unternehmen Vertriebsmitarbeiter besuchen würden, die kein Internet haben, bekam ich keine Antwort und erntete erstaunte Gesichter. Das war eine klassische Frage, wie ich sie oft gehört habe. Bevor man eine Idee treibt, erst einmal alle KO Kriterien aufzählen. Das geht anders, wie ich es im Silicon Valley erleben durfte.

Eine weitere Anekdote:

In Deutschland feiert man die Umstellung eines Intranets auf eine interaktive Social Intranet Plattform und hat gleichzeitig Angst die Menschen zu überfordern, während im Silicon Valley selbst fahrende Autos Millionen von Kilometern unterwegs sind und Chat Bots mit Menschen interagieren, ohne das der Mensch das Gefühl hat, überfordert zu sein.

Das bringt mich zu der Frage, wo unsere Reise in good old Germany hin geht? Was koppelt uns von der globalen Entwicklung ab?
Selbst unsere europäischen Nachbarn schütteln mit dem Kopf, wenn es um die konsequente Cloud Verweigerung Deutschlands geht, wo die Cloud doch eine andere Form der Rechenzentren der 70er und 80er Jahre ist.

Es muss ein Ruck durch Deutschland gehen und die Unternehmen müssen von der Spitze an umdenken. In der Software Industrie des Silicon Valley wird ausprobiert und gespielt. Es werden Versuchsballons gestartet und Tests gefahren. Man spürt in jeder Faser des Körpers den Tatendrang.

In Deutschland planen wir nach wie vor viel und kommen nicht von der Stelle. Wenn wir Software entwickeln und auf dem Markt werfen, kann die vieles aber selten etwas gut geschweige den Anwender begeistern.

Oder kennt jemand eine Hand voll existenter Ausnahmen aus good old Germany?

Nehmen wir das alles zusammen, müssen wir radikal umdenken. Der Mensch und seine Bedürfnisse stehen im Vordergrund. Es geht um Eleganz und Effektivität in der Arbeit und im Leben. Lebensqualität privat und im Job wird immer wichtiger und muss sich auch in den Produkten niederschlagen, die wir produzieren. Wenn ich Produkte entwickle, die den Anwender durch fehlende Intuitivität und Durchgängigkeit nerven, dann werde ich von anderen Unternehmen, die weiter denken, mittel- bis langfristig verdrängt. Und leider werden von diesen Unternehmen dank des verfügbaren Kapitals auf der Welt und gerade im Silicon Valley – statistisch sind 60% des VC Kapitals weltweit im Silicon Valley vertreten – immer mehr dummerweise nicht in Deutschland entstehen und es wird Branche für Branche aufgerollt. Erst war es die Verlags-, Musik- und Filmindustrie (Apple und Netflix lassen grüßen) – bald sind es Automotive, Logistik und weitere Branchen. Wer hat in Deutschland schon einmal Uber oder mytaxi verwendet? Probieren Sie die Services mal aus und man merkt sehr schnell den Unterschied an Komfortgewinn (ich sehe z.B. Minuten genau wo mein Taxi gerade ist und wann es ankommt).

Daher mein Tip an Unternehmenslenker und Entscheider:

Machen Sie sich frei von alten Vorgehensweisen, „Das machen wir schon immer so“ Sprüchen und der Fehlannahme „Es trifft erst einmal die anderen!“. Versetzen Sie sich in die Rolle des Nutzers Ihrer Produkte und fragen sich mal, ob es der optimale Weg und Ansatz ist, wie Ihre Produkte ihre Aufgabe aus Sicht der Kunden und Anwender erfüllen.

Meist erlebt man mit gesunden Menschenverstand ein Aha Erlebnis und denkt um. Ein Kreativcamp mit der klaren Aufgabe mal alles Alte und Bestehende über Bord zu werfen und Dinge neu zu denken, kann Bahnbrechendes bewegen. Mischen Sie in dem Camp Führungskräfte und normale Mitarbeiter durch (idealerweise in keinem Vorgesetztenverhältnis) und reichern es mit externen Personen an. Nutzen Sie auch die Kraft Ihrer Kunden und fragen diese einfach mal, was die anders machen würden oder welche Produkte und Funktionen man sich wünscht.

Springen Sie vor allem über Ihren Schatten, da dieser das größte Hindernis ist.

Und im Zweifel fragen sie mich oder andere zukunftsorientierte Menschen nach ihrer Meinung. Man wird überrascht sein, wie einfach Disruption und digitale Produkte und Strategien funktionieren und wie Veränderungen produktiv und vorausschauend entstehen.

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