Bald Mainstream? Wie „Social Conversation“ langsam aber sicher in den Medien ankommt

Alltag für uns, Neuigkeitswert für die Allgemeinheit: Zwei Beispiele, wie deutsche Netzmedien zum Jahresbeginn auf das Phänomen der internen „Sozialisierung“ der Unternehmen reagieren.

CIO.de – „3 Thesen zur Kommunikation im Jahr 2015“ von Christoph Lixenfeld

http://www.cio.de/strategien/2901529/index.html

Schon die Sentenzen-Überschriften zeigen, wohin dieser Beitrag zielt:

  • Kommunikation ist geschäftskritisch
  • Ohne soziale Vernetzung geht nichts
  • Die Zeit zu handeln ist jetzt.

Schöner hätten wir unsere Eindrücke aus 2012 auch nicht überschreiben können. Hier wird analysiert wie Trends, von denen wir im vergangenen Jahr sprachen, zusammen dafür sorgen, dass Unternehmen und IT-Schaffende sich zunehmend auf die Basics besinnen und sich Gedanken über die Form und Kultur der täglichen Zusammenarbeit, die Interaktion, die Konversation zwischen Menschen machen müssen.

Diskutierenswert erscheint uns dabei das angeführte Argument, nur wenn jetzt gehandelt werde, sei ein Mindestmaß an Kontrolle zu gewährleisten und seien Sicherheitslücken zu vermeiden.

Aus unserem Projekterleben sind Mißtrauen gegenüber den eigenen Mitarbeitern und übertriebene Reglementierung von Kommunikation eher Hemmschuh als Erfolgsgarant bei Social-Collaboration-Projekten. Richtig ist sicher, dass dies der Knackpunkt und die wichtige Diskussion vor jedem Projekt sein muss – und wohl auch, dass es generelle Antworten, wie sie Analysten gerne geben möchten, hier nicht gibt. IT und Unternehmenskultur sind hier dichter beieinander als in irgendeiner anderen IT-Disziplin. Patentrezepte gibt es nicht. Umso mehr zählt die strukturierte Vorbereitung und Analyse vor dem jeweiligen Projektstart.

Ein Argument, das gegen das sofortige Handeln spricht, nennt der Beitrag nicht: Die Knappheit an europäischen, erst recht deutschen Experten mit einem umfangreichen Erfahrungshorizont. Social-Collaboration-Projekte sind immer Neuland. Wer das nicht einkalkuliert, begibt sich auf dünnes Eis.

Welt am Sonntag – „Das Ende der E-Mail“ von Andre Tauber

http://www.welt.de/print/wams/wirtschaft/article112422285/Das-Ende-der-E-Mail.html

Was jedes Unternehmen, mit dem wir bisher Projekte machten und abschlossen im Kern zur Positiventscheidung über die Einführung einer Social-Intranet-Lösung bewegte, beschäftigt diesen Beitrag in der WamS: Wie kann der überbordende E-Mail-Eingang wieder auf ein verträgliches Normalmaß gebracht werden? Plakativ werden also das „Ende der E-Mail“ voraus- und dem „E-Mail-Wahnsinn“ der Kampf angesagt.

20 Stunden in der Woche nur für E-Mails. Das ist ja auch eine beeindruckende Zahl. Zitiert wird auch eine Meinung, etwa 50% dieser Korrespondenz sei unnötig, nur etwa 20% relevant.

Spannender als diese vielbeschworene Analyse scheint uns ein anderes Zitat des Beitrags: „Mitarbeiter werden künftig in einer Holschuld stehen. (…) Sie müssen sich informieren und nicht darauf warten, dass sie jemand schreibt.“

Das halten wir für mindestens diskutierenswert und sehen es als Ausdruck, als Symptom einer ganz einfachen Tendenz: Information in Unternehmen verliert die Exklusivität. Das wiederum stärkt den Wert und die Qualität der Konversationen. Also der tatsächlichen Interaktion zwischen Menschen, Kollegen, Partnern, … abteilungs-, hierarchie- und geografieübergreifend. Studien, Projekte und alle Erfahrungen zeigen: Wer die Interaktion in den Mittelpunkt der Projektbetrachtung stellt und für mehr Qualität (oft ist das Informationsreduktion!) sorgt, setzt am richtigen Punkt an.

Social Conversation als Mainstream?

Soweit sind wir wohl noch nicht. Aber wir konstatieren zum Jahresbeginn: „Unser“ Thema kommt in der Presselandschaft an. Es kommt im Mittelstand an. Und es kommt gut an, denn wir werden in den nächsten Monaten erleben, wie zunehmend die Praxiserfahrung aus erfolgreichen Implementierungen der Großunternehmen öffentlich werden. Es wird mehr faßbare Zahlen, weniger „Kaffeesatzleserei“ und einen hoffentlich sehr offenen Diskurs zu den gesellschaftlichen Grundlagen dieser Entwicklung geben.

Wir empfehlen daher den aufmerksamen Blick nicht mehr nur in IT-Fachmedien. Sondern begrüßen einen gesellschaftlichen Gesamtdialog darüber, wie Arbeitskonversation und -kommunikation bis 2015 und darüber hinaus idealerweise aussehen soll.

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