Droht der (persönliche) Informationscollaps in 2011?

2010 war für mich das Jahr der Informationsexplosion. Ist es Ihnen auch so gegangen oder zählen Sie zu den Vertretern, die dem gesamten Social Media Wahnsinn eher aus dem Weg gehen und nicht bei Facebook, Xing, LinkedIn, Wer kennt Wen, Stayfriends, Twitter, etc. aktiv sind? Können Sie sich das denn noch erlauben?
2010 hat gezeigt, was für eine gesellschaftliche Durchdringung das Internet und mit ihm die sogenannten Web 2.0 Technologien haben.

Die intelligenten Smartphones als mobile Internetzugangsplattform  haben neben dem IPhone mit dem Android basierten Handies extreme Verbreitung bekommen und man bekommt mittlerweile auf den beiden großen Smartphone-Plattformen Apple iOS und Android mehrere hundertausend Anwendungen. Ein Grossteil der Anwendungen dreht sich auch hier um das Thema Web 2.0 und Social Media und bereichert unser Freizeit- und Arbeitsleben. Ob Twitter, Facebook, Xing, LinkedIn, Bild, Stern, Spiegel oder Ebay – fast kaum ein präsenter Name hat mittlerweile nicht irgendeine App für mindestens ein Smartphone entwickelt. Außerdem zeigen die Entwicklungen im Bereich Social Media mit Facebook (Facebookmarketing, Wachstum von Mai bis Dezember 2010 um 50%) eindrucksvoll, wie präsent das Mitmach-Internet geworden ist.

Facebook Nutzerzahlen Dezember 2010 (by facebook-marketing.de)

Facebook Nutzerzahlen Dezember 2010 (by facebook-marketing.de)

Die Tatsache, dass das Wachstum bei beiden Geschlechtern nahezu gleichmässig verläuft, ist des Weiteren auch sehr interessant.  Der höchste Anteil der Anwender liegt heute in der Altersgruppe 18 bis 34 Jahre und nimmt dann ab 35 wieder ab. D.h. Ende 2010 sind fast 14 Millionen deutsche aktiv bei Facebook. Bei Twitter verhält es sich ähnlich. Die Plattform hat in 2010 ebenfalls ein gigantisches Wachstum erfahren (Statistiken 2010) . Für das Jahr 2011 gibt es eine Reihe von Prognosen, wie die auf TwitterSmash, die einen ersten Ausblick der Entwicklung wagt. Social Media und Web 2.0 wird erwachsener und durchdringt den Alltag weiter. Wenn man sich die Entwicklung der letzten 2 Jahre anschaut und jetzt in Richtung 2011 schaut, stelle ich mir allerdings die Frage, wer die gesamten Informationen noch aufnehmen kann? Werden wir nicht mittlerweile tag täglich von der Flut erschlagen und landen im Informationsoverkill? Kann man den ganzen Tweets und Facebook News noch folgen? Wie macht der Leser dieses Artikels das für sich? Wir würden uns über Kommentare und Anregungen freuen, da dies gerade anderen Lesern hilft.

Wir haben in den letzten Tagen mal eine Statistik gefahren, wie weit ein Facebook Newsfeed zurück reicht. Bei der Auswertung verschiedener Facebook Accounts kam Überaschendes zu Tage. Teilweise ist der Newsfeed gerade mal nach 4-5 Tagen versiegt und reicht nicht weiter in die Vergangenheit. Heißt das dann, alles was älter als 5 Tage ist, ist eh uninteressant und schon veraltet? Wofür poste ich dann bei Facebook überhaupt, wenn der Artikel nach nicht einmal einer Woche für meine Freunde schon nicht mehr leicht auffindbar ist? Naja, wenn ich den Namen des Schreibers kenne, dann geht der Newsfeed schon weiter zurück. Probieren Sie es aus und überzeugen sich bei Facebook von den Möglichkeiten.

Neben Facebook bleiben dann noch Twitter, Xing, LinkedIn, MySpace, WKW, VZ, RSS Feeds wie Heise Online, FAZ oder Spiegel. Aber lesen Sie diese alle jeden Tag? Bei dieser Menge an Informationen bleibt schlichtweg die Frage, ob der Spruch Sie müssen die Informationen nicht mehr suchen, sondern die Informationen finden Sie! nicht eher eine Umschreibung für eigenverschuldeten SPAM ist? Für 2011 glaube ich jedenfalls, das (kostenpflichtige) Dienste für wohldosierten und interessensgerichtet gefilterten Informationsfeed an Bedeutung gewinnen werden. Man wird bei diesem Wachstum des Social Web garnicht umhin kommen einen intelligenten SPAM Filter zu etablieren, der nur die Infos meiner Freunde und Quellen durchlässt, die mich wirklich interessieren.

Wir setzen in 2011 eine Reihe von Ideen und Konzepten in die Tat um, die hier Abhilfe schaffen werden und ich halte Sie auf dem Laufenden, wenn hier erste Tools verfügbar sind. In diesem Sinne wünsche ich jetzt ein informations- und erfolgreiches Jahr 2011.

Lars-Thorsten Sudmann

2 comments on “Droht der (persönliche) Informationscollaps in 2011?
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  2. Ich möchte mich zum Schluss noch selbst kommentieren und eine Buchempfehlung aussprechen. Über die Feiertage habe ich es dann doch geschaft das Buch „Der Informationscrash: Wie wir systematisch für dumm verkauft werden“ von Max Otte zu Ende zu lesen. Hier geht Otte Unternehmen aus allen möglichen Branchen hart an, die uns Bürger für dumm verkaufen. Bis die nächste Blase platzt.
    Es ist praktisch unmöglich, jedem Satz von Max Otte zuzustimmen. Schon in seinem Buch „Der Crash kommt“ gab es unzählige Passagen, über die man trefflich streiten konnte. So ist es auch im aktuellen Buch „Der Informationscrash“. Doch so pointiert es Otte auch ausdrückt, so Recht hat er im Kern mit seiner scharfen Kritik. Jeder von uns wird von Unternehmen aus allen denkbaren Branchen ständig falsch informiert. Und irgendwann wird das zum nächsten Crash führen. Es folgt ein Überblick, wo wir überall betrogen werden.
    Nun, was hat dies mit dem eigentlich Blog-Artikel zu tun? Letztendlich zeigt es auf, wie wir neben dem eigengenerierten Informationsoverload zusätzlich gezielt von Unternehmen durch Überinformation manipuliert werden. Haben Sie vielleicht in letzter Zeit eine Versicherung abschliessen wollen und sich über das Versicherungsunternehmen, dessen Bonität und Zuverlässigkeit informiert?
    Ich habe es probiert und tat mich verdammt schwer, glaubwürdige Informationen zu finden. Es war kein Problem Meinungen zu bekommen und zu suchen. Letztendlich reichte das Spektrum von 0 bis 10 und man musste doch wieder das Bauchgefühl entscheiden lassen, welcher Versicherer wohl der Beste ist.

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