Sind soziale Netze (k)eine Diktatur?

Soziale Netze sind auf dem Weg, das Internet neu zu definieren. Aus der Vielfalt der Webseiten werden große Systeme, in denen wir uns immer mehr aufhalten.  Allen voran Facebook, Google, Amazon und Apple. Werden wir damit zum Spielball und Gefangenen einiger weniger Global Player?

Vor ein paar Tagen berichtete ich über die Entwicklung bei Facebook, die gesamte Kommunikation bestehend aus Email, SMS, IM und mehr anzubieten. Was auf den ersten Blick aussieht, das Facebook Google die User bzw. Kunden abjagen möchten, ist auf den zweiten Blick eine ganz andere Thematik. Schaut man sich die Ausbreitung von Facebook alleine an, reden wir schon von über 550 Millionen Menschen, die sich jeden Tag in Facebook bewegen. Vor 1-2 Jahren wurde Social Media noch gefeiert (siehe auch Socialnomics 2009/2010).
Ich stelle heute die These auf, dass das Soziale (Internet) Leben immer mehr in die Hand einzelner globaler Firmen gerät. Ein ausführlicher Artikel findet sich hierzu z.B. bei Spiegel Online zum Thema Facebook greift nach der Web-Herrschaft. Vor ein paar Jahren noch, war Google die Datenkrake das grosse Problem und heftig in der Kritik. Ich erinnere mich noch an die 90er Jahre, in denen das Thema Gläserner Bürger in aller Munde war und man Angst vor dem Überwachungsstaat hatte. Heute sieht die Welt komplett anders aus und die Bürger rufen nach Ihren Regierungen sie zu beschützen und den Missbrauch von Ihren Daten einzudämmen.

Aber was heißt dies für die Zukunft?

Wir müssen aufpassen, das wir nicht immer mehr in die Hände einzelner grosser Player gelangen und die über dass bestimmen, was wir im Internet und damit immer mehr im wirklichen Leben machen und was nicht. Tim Berners-Lee als der Erfinder des Web hat dies in einem Interview Web-Erfinder warnt vor Facebook Monopol treffend wieder gegeben. Es wird immer wichtiger, das Web offen und vernetzungsfähig zu halten. Hier gewinnen momentan Unternehmen wie Facebook, Apple, Amazon und Google immer mehr einen nennenswerten Einfluss und verhindern diese Offenheit und Vernetzungsfähigkeit. Vor ein paar Jahren waren noch Netze wie T-Online, Compuserve und AOL in sich abgeschottete Inseln, die auf Grund dieser Abgrenzungen keine dauerhafte Existenzberechtigung hatten. Es ist dann schon fast Ironie des Schicksals, das genau mit diesem abgeschotteten Ansatz Facebook, Apple und andere Ihre Marktführerschaft ausbauen und den Wettbewerb behindern.
Schaut man hier genauer hin, muss zwangsläufig die Frage aufkommen, ob wir noch in einer funktionierenden Marktwirtschaft leben oder das Gro der Menschheit nicht durch wenige Unternehmen etwas aufgedrückt bekommt.

Leben wir noch in der Marktwirtschaft oder schon wieder im Mittelalter?

Was macht er hier und stellt die Frage in den Raum, ob wir wieder im Mittelalter sind? Natürlich leben wir selbst nicht mehr im Mittelalter. In Selbigem gab es aber eine Reihe von Mechanismen, wie das Angebot geregelt wurde. Wenigen Personen sprich in der Regel höher Gestellte bzw. Adelige haben letztendlich über das bestimmt, was die Masse der Menschen zu essen bekam und wie eine Region sich zu entwickeln hat. Diese Beherrscher waren oft streng monetär getrieben und haben das Volk meisst unterdrückt und über Steuern ausgepresst. Wenn wir uns überlegen, das immer weniger Unternehmen über das bestimmen, was wir an Produkten zu welchem Preis und in welchen Leistungsumfang bekommen, dann liegt dieser Vergleich sehr nah. Während Regierungen einen in der Regel demokratisch gewählten Gesellschaftsauftrag haben, handeln Unternehmen primär Gewinn orientiert. Wenn wir uns daher mal überlegen, wie wenige Unternehmen in bestimmten Segmenten über unser Wohl und unseren Konsum entscheiden, dann ist dies in meinen Augen schon bedenklich.

  • Haben Sie sich mal überlegt, wie viele Krankenhäuser in Ihrer Region existieren? In der Regel sind 2 maximal 4 unterschiedliche Krankenhausketten im Umkreis von 20-30 km erreichbar. Durch straffe Organisation werden diese immer mehr auf Gewinn getrimmt und die Qualität eine Preisfrage.
  • Wie viele unterschiedliche Einkaufsquellen in Form von Supermärkten gibt s bei Ihnen im Umkreis von 10km? Meißt auch nur 1-2 Discounter und 1-2 Qualitätsanbieter. Haben sie noch Ihre Auswahl oder gehen regelmässig auf den Markt. Glückwunsch, wenn Sie Abwechslung lieben und nicht primär dem Mainstream folgen.

Es fallen dem Leser bestimmt noch weitere Beispiele ein, die einem Nahe bringen, wie sukzessive oligarchische Verhältnisse entstehen. Ich lobe mir da noch die Vielfalt an Restaurants, Kneipen, Boutiqen und mehr, die mir diese Vielfalt bieten.

Ein Plädoyer an die Vielfalt und Abwechslung

Zum Abschluß meines Artikels möchte ich hier an die Abwechslung und Vielfalt im Leben appelieren, Dies trifft für mich erst Recht auf das Internet und seine Dienste zu. Ich bin ein Verfechter des Open Source Konzeptes, da es die Vielfalt fördert und für Abwechslung sorgt. Natürlich müssen Entwickler von Open Source Software auch irgendwo Geld verdienen und ich kann auch hier nur dazu aufrufen, für genutzte Software und Dienste nicht immer davon auszugehen, dass dies kostenlos erfolgt. Letztendlich sorgt diese Haltung sonst dafür, dass eine Vielfalt nicht entstehen kann, da es schlichtweg nicht finanzierbar ist. Die letzten Jahrzehnte hat ein Redmonder Konzern mit seinen Betriebssystemen, seiner Office Lösung und weiteren Produkten vorgemacht, wie wir in eine Abhängigkeit kommen und alles das hinnehmen, was uns diese Firma als Innovation und State of the Art liefert. Gott sei Dank dreht sich dies im Zuge von Web 2.0, mobilen Geräten und mehr gerade wieder und die Jahrzehnte existente Macht über den PC schwindet. Es liegt jetzt an uns, ob dieser Zustand im Internet mit sozialen Netzen und Web 2.0 Angeboten sich wiederholt oder eine umfassende Vielfalt an Systemen sich etabliert und kein Google Suchmaschineneffekt mehr entsteht.

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